Gebete und Texte zu Silvester 2020


Einstimmung:

Sylvester nach einem denkwürdigen Jahr. Für alle hat in diesem zurückliegenden Jahr die Corona-Pandemie das Leben mitgeprägt, die Erinnerung an Maske, Abstand, an viele Dinge, die nicht mehr möglich waren, an wenig Kontakte werden allen noch lange im Gedächtnis bleiben. Und für manche wird dieses Jahr auch nach dem Ende der Pandemie noch schlimme Folgen haben, durch den Tod eines geliebten Menschen, durch ein verlorenes Jahr in der Schule, durch gesundheitliche Beeinträchtigungen, die nach der Erkrankung noch da sind, durch den Verlust ihrer beruflichen Existenz und die Notwendigkeit, hier nach Wegen für sich zu suchen.

Selbst in dieser Krise war es für manche ein gutes Jahr: Sie haben geheiratet, ein Kind wurde geboren, und für bestimmte Betriebe hat die Krise auch ein Mehr an Aufträgen gebracht.

Vielleicht war es für den ein oder anderen auch ein Jahr der Besinnung, oder der Entdeckung von Neuem, was er ohne diese Pandemie nicht gemacht hätte.

Wie wir heute Abend auch auf dieses Jahr zurückschauen, wie auch das kommende Jahr sein wird.

In unserem christlichen Glauben haben wir die Hoffnung, dass Gott mit uns durch unser Leben geht.

Schauen wir mit dieser Hoffnung zurück und nach vorn.

Psalm 121 kann uns in dieser Hoffnung bestärken.

Psalm 121, Nr. 753:

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

 

Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

 

Der Herr behütet dich;

Der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand

 

dass dich des Tags die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

 

Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

 

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang

Von nun an bis in Ewigkeit.

 

Gebet:

Guter Gott,

das Jahr geht dem Ende zu.

Wir schauen zurück

Und wir schauen nach vorn.

Für vieles können wir dankbar sein,

aber es gab auch vieles,

was uns belastet hat,

für die meisten von uns war dieses Jahr

durch die Corona-Pandemie, für manche auch aus anderen Gründen ein schwieriges Jahr.

Wir legen dies jetzt alles zurück in deine guten Hände.

Wir bitten Dich:

Gib uns Kraft zum Tragen,

was uns belastet.

Gib uns die Fähigkeit, Honig zu saugen aus jeder Blüte, die wir am Wegrand finden.

Hilf uns, auch aus schwierigen Situationen das Beste zu machen.

Wandle in Segen, was wir tun und lassen.

Sei Du bei uns und überall da, wo wir mit anderen Menschen, zusammenleben.

Sei Du bei allen Menschen auf dieser Erde, die Freude, Liebe, Hilfe, Frieden und Beistand brauchen.

Amen.

 

Lied: (gesprochen oder gesungen) Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Refrain: Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz. Mach es fest in dir.

 

1.       Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: „Was wird morgen sein?“

Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein.

 

Refrain: Meine Zeit…

 

2.       Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb nehmen mich gefangen, jagen mich.

Herr, ich rufe: komm und mach mich frei!

Führe du mich Schritt für Schritt.

 

Refrain: Meine Zeit…

 

3.       Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn.

Hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt.

Stunden, Tage, Jahre gehen hin,

und ich frag, wo sie geblieben sind.

 

Refrain: Meine Zeit….

 

Predigttext: 2. Mose 13, 20 - 22

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht

Gedanken zum Predigttext:

Das Volk Israel ist 40 Jahre lang durch die Wüste gewandert. Der Anfang dieser Wanderung war die Flucht aus Ägypten, aus der Knechtschaft. Das Ziel das von Gott verheißene Land, in dem es in Freiheit und Frieden wohnen kann. Dazwischen die Wüste. Dazwischen eine lange Durststrecke. Dazwischen immer wieder Unzufriedenheit und Zweifel, ob es nicht doch besser gewesen wäre, in Ägypten zu bleiben,- zwar unfrei, aber nicht vom Verhungern und Verdursten bedroht. Dazwischen Zweifel auch an Gott und an Mose, der sie im Auftrag Gottes in die Freiheit führt.

Wie eine solche Wanderung durch die Wüste mag manchem auch das zurückliegende Jahr vorkommen. Nur, dass er nicht freiwillig war, der Weg in die Wüste. Die Corona-Pandemie hat so manchen in eine Wüstenzeit gezwungen: In Einsamkeit, bei vielen Freiberuflern und Unternehmern in die Bedrohung der Existenz durch den Lockdown, in das Nicht-Leben-Können der eigenen Berufung bei vielen KünstlerInnen und Künstlern. In Stress in vielen Familien durch Homeschooling und Homeoffice. Wüstenzeit: Alle, die durch die Corona-Pandemie beruflich besonders belastet sind, z. B. Pflegende, Krankenschwestern und Ärzte mögen dieses zurückliegende Jahr 2020 im Rückblick als Wüstenzeit empfinden. Und auch alle Angehörigen der 30.000 Menschen, die an der Pandemie verstorben sind, alle, die schwer erkrankt sind, aber auch alle, die durch andere Krankheiten einen geliebten Menschen verloren haben, um ihr eigenes Leben ringen oder in Ängsten leben, ob ein geliebter Mensch eine schwere Krankheit übersteht. Nicht für alle, die auf dieses zurückliegende Jahr als eine Wüstenzeit zurückblicken war die Corona-Pandemie der Hauptgrund dafür.

Der Predigttext aus dem 2. Buch Mose erzählt davon, dass Gott in der Wüstenzeit des Volkes Israel das Volk geführt hat und bei ihm war. Am Tag in einer Wolkensäule und in der Nacht in einer Feuersäule und immer war diese Wolken- oder Feuersäule da.

Das ist eine Verheißung auch für unsere Wüstenzeiten: Dass Gott da ist und uns führt.

Am Ende dieses Jahres scheint es so zu sein, dass es, was die Corona-Pandemie betrifft, im kommenden Jahr eine Lösung gibt. Erste Impfungen finden statt, Hoffnung, dass ab Mitte nächsten Jahres wieder einigermaßen Normalität eintreten kann. Ist das Führung Gottes, dass er Menschen den Verstand gegeben hat, solch einen Impfstoff zu erfinden? Oder worin sehen wir, wenn es denn wahr ist, dass Gott in solchen Zeiten da ist und uns führt dieses Dasein Gottes und diese Führung Gottes?

Haben wir das im vergangenen Jahr erfahren, dass Gott uns führt, dass er in der Wüstenzeit da ist?

Oder ging es uns vielleicht auch mit Gott wie dem Volk Israel in der Wüste, dass wir an Gott oder auch an Menschen, von denen wir uns ein Stück Wegweisung, Begleitung oder auch Unterstützung erhofft hatten, gezweifelt haben?

Hoffen wir auf Gottes Führung und Dasein für das kommende Jahr?

Das Wort „Führung“ ist ja, seit es den „Führer“ gab, ziemlich in Verruf gekommen, - dabei war der Führer ja kein Führer, sondern ein Verführer.

Gleichzeitig wird auch immer wieder deutlich, dass wir gute Führung brauchen, z. B. dass die Menschen, die unser Land regieren, gerade in Zeiten der Pandemie gute Entscheidungen treffen.

Wie führt uns Gott und ist für uns da, - in Wüstenzeiten oder auch in den anderen Zeiten?

Schön wäre es, wenn er uns sichtbar und spürbar führt und wir sein Dasein für uns spüren. Feuerschein und Wolkensäule, die uns den Weg zeigen, das wäre schon was. Doch offensichtlich hat es dem Volk Israel nicht immer genutzt, dass Gott in dieser Weise geführt hat und für sie da war, vielleicht waren Feuerschein und Wolkensäule auch nur für die inneren Augen des Glaubens zu sehen.

Und doch kann uns der Glaube an Gott die Hoffnung geben, dass Gott uns und unser Leben zu einem guten Ziel führt, auch wenn wir das vielleicht im Augenblick  nicht sehen.

„Wenn ich auch gleich nichts fühle von Deiner Macht, Du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.“, heißt es in dem bekannten Lied „So nimm denn meine Hände“.

Gott ist für uns da und führt uns, indem er uns diese Hoffnung gibt. Und Hoffnung kann Kraft geben, den eigenen Lebensweg auch in Wüstenzeiten zu gehen. Gott hat für mein Leben ein gutes Ziel, in der Zwischenzeit bin ich unterwegs wie das Volk Israel in der Wüste. Das können Feuerschein und Wolkensäule uns auch heute sagen.

Und auch in der Wüste gibt es ja durchaus Schönes: Oasen, an denen wir uns erfrischen können. Den weiten Sternenhimmel über uns, der uns mit Ehrfurcht erfüllt. Eine interessante Pflanzen- und Tierwelt. Vielleicht das ein oder andere gute Gespräch mit anderen Menschen auf der Wüstenwanderung. Manna und Wachteln, Nährendes, das vom Himmel fällt. Das fröhliche Lachen von Kindern, die miteinander spielen. Trost, den einer dem anderen gibt. Momente der Stille, in denen wir das Gefühl haben, im Einklang mit allem zu sein.

Vielleicht gab es in der Rückschau auf dieses schwierige Pandemie-Jahr 2021 ja auch solche schönen Momente, für die wir dankbar sind. In denen wir gespürt haben: So ist Gott in diesem Augenblick für mich da.

Auch wenn die Pandemie im kommenden Jahr mit Hilfe des Impfstoffes zurückgedrängt werden kann, und wir die Hoffnung haben können, dass unser Leben wieder normaler wird, dass wir wieder Feste feiern, zu Konzerten gehen und uns umarmen können.  Sie ist ein Einschnitt in der Geschichte, die noch lange Jahre Folgen haben wird. Riesenschuldenberge staatlicher Schulden müssen abgetragen werden. Für nicht wenige hat die Pandemie ihre wirtschaftliche Existenz zerstört oder sie sind deutlich ärmer als vorher. Wie die Nachkriegszeit wird auch die Nach-Pandemie-Zeit für viele nicht einfach werden. Manche werden im kommenden Jahr mit dem Ende der Pandemie gewissermaßen wieder im gelobten Land angekommen sein, werden das wieder tun können, was sie in dieser Zeit schmerzlich vermisst haben, und das sicher auch feiern. Andere werden an den Folgen weiter zu tragen haben. Und wieder für Dritte wird es im kommenden Jahr Dinge geben, die nichts mit der Pandemie zu tun haben, die sich verbessern oder verschlechtern oder gleichbleibend gut oder schlecht, frohmachend oder belastend  sind, wie es im vergangenen Jahr war.

Der Predigttext aus dem 2. Mosebuch kann uns sagen: Wie auch das kommende Jahr sein wird, Gott ist bei uns, will uns zu einem guten Ziel führen und geht mit. Und wir können beten: Hilf uns, Gott, zu solchem Vertrauen.

Lied: (gesprochen oder gesungen, alle oder einige Strophen) Von guten Mächten

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag,

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Noch will das Alte unsere Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last.

Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen das Heil, für das du uns bereitet hast.

 

Refrain: Von guten Mächten…

 

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.

 

Refrain: Von guten Mächten…

 

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,

so wolln wir des Vergangenen gedenken und dann gehört dir unser Leben ganz.

 

Refrain: Von guten Mächten

 

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsere Dunkelheit gebracht,

führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

 

Refrain: Von guten Mächten

 

Wenn sich die Stelle nun tief um uns breitet, so laß uns hören jenen vollen Klang

Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Refrain: Von guten Mächten…

 

Fürbittengebet:

Du, Ewiger,

vor dich bringen wir unsere Sorgen,

die wir mitnehmen werden in das Neue Jahr;

die Begegnungen, an denen wir noch schwer tragen,

die Verluste, die wir noch beweinen,

die Schmerzen, die wir erlitten.

Wir legen dir die Menschen ans Herz,

deren Hoffnungen zerschellten,

deren Träume sich verloren;

die Menschen, deren Hunger ungestillt blieb,

die Kinder, deren Kindheit gestohlen wurde,

die Frauen und Männer, die Unrecht und Gewalt erlitten,

verteidige ihre Würde gegen die,

die sie verletzten, und stelle ihnen Menschen zur Seite,

die für ihre Würde eintreten.

Wir bitten um Kraft für die Menschen,

deren Kraft und Einsatz in der Zeit dieser Pandemie oft über die Maßen gefordert ist,

um deinen Beistand und Trost, für die, die schwere Verluste erfahren haben,

den Verlust eines geliebten Menschen, ihrer Gesundheit, ihrer beruflichen Tätigkeit, ihrer wirtschaftlichen Existenz.

Du, Ewiger, vor dich bringen wir

Unsere Sorgen um unserer Welt,

die wir mitnehmen in das Neue Jahr:

die Konflikte,

vor denen wir noch zurückscheuten,

die verpassten Gelegenheiten,

einem Menschen unsere Liebe und unser Mitgefühl zu zeigen.

Stärke unseren Glauben, unsere Hoffnung

Und unseren Mut und halte unsere Liebe lebendig.

 

Vater unser

 

Bitte um Segen:

Gott, wir bitten dich nun:

Segne und behüte uns,

lasse leuchten dein Angesicht über uns

und sei uns gnädig,

Wende dich uns freundlich zu

 

Und schenke uns und dieser Welt deinen Frieden. Amen.

 

 

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