DAS NEUE TESTAMENT NACH KLAUS KINSKI


Die Veranstaltung Klaus Kinski und das Neue Testament muss leider wegen des Corona-Virus auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Regie: Uwe Melchert

Jesus: Christian Polenzky                        Erzähler: Uwe Melchert

(eine dramatisch-szenische Lesung)

 

Klaus Kinski (1926-1992) – das „Enfant terrible“ des deutschen Films, Exzentriker par excellance, ein Schrecken für jeden Regisseur und bekannt für seine Ausraster bei Interviews und Talk-Shows. So kennen wir ihn – so lieben wir oder hassen wir ihn.

 

Eine völlig andere Seite seines Charakters offenbart der Text „Das Neue Testament nach Klaus Kinski“ oder „Jesus Christus Erlöser“. Ein Text, an dem Kinski seit den 1950er Jahren immer wieder arbeitete – Bibeltexte auswählte, verwarf, neu überarbeitete und von ihm eingefügte Textpassagen mit für die damalige Zeit aktuellen Bezügen, die allerdings an Aktualität bis heute nichts verloren hat. Sozusagen Allgemeingültiges vermitteln. Grundlage für dieses Stück war für Kinski die Bibel – außergewöhnlich und schwer nachvollziehbar, wenn wir die bekannte Kinski-Schablone von Exzentrik und fast krankhafter Egomanie zugrunde legen.

 

Das Stück „Das Neue Testament nach Klaus Kinski“ vermittelt ein sensibles und zaghaftes Herantasten an den Bibeltext, um dem Zuschauer und Zuhörer in die Geschichte Jesu einzuführen, von der Bergpredigt bis zur Kreuzigung. Ein Großteil des Textes ist direkt aus dem Neuen Testament entnommen, insbesondere werden Reden Jesu verwendet. Das Stück beginnt mit den Worten „Gesucht wird Jesus Christus“, aus der Perspektive einer polizeilichen Suche nach Jesus Christus. Kinski wechselt die Perspektiven mehrmals und lässt neben Jesus auch andere Personen aus Jesu Umfeld zu Wort kommen. Kritische Passagen behandeln das damalige Establishment, Kirchen, Parteien und den damals viel diskutierten Krieg in Vietnam (heute: Syrien, Afghanistan).

 

Der Text wurde von Kinski als Solo-Programm konzipiert und sollte 1971 als Welttournee in Deutschland starten. Schon bei der Premiere kam es kurz nach Beginn der Vorstellung zu heftigen Tumulten: Einige Zuschauer pöbelten Kinski an, Zwischenrufe erfolgten – man erwartete den üblichen, ausfallenden Kinski. Die Störungen führten dann wirklich zu einem Ausraster Kinskis gegenüber dem Publikum. Er verließ die Bühne und begann nach mehr als einer Stunde die Vorstellung erneut und gab nun das gesamte Stück vor einem kleinen Teil des verbliebenen Publikums. Eine zweite Vorführung verlief ohne Probleme. Dann geriet der Text für fast 30 Jahre in Vergessenheit, bis Ben Becker damit auf Deutschlandtour ging und den Text zu einer Renaissance verhalf.

 

(Aufführungsrechte: Florian Geyer Produktion, Hamburg)

 

 

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