Predigt über 1. Könige 19, 4 – 8


Liebe Gemeinde!

 

Lesung: 1. Könige 19, 1 - 8

 

Elia, nach seinem verlorenen Kampf für den Jahweglauben völlig erschöpft. Er will nicht mehr leben, hat sich verausgabt über seine Kräfte. Sein leidenschaftliches Engagement hat nicht zum Erfolg geführt, im Gegenteil, er wird nun verfolgt. Sein Lebensmut liegt am Boden. Er zweifelt wohl auch daran, ob er in seinem leidenschaftlichen Kampf alles richtig gemacht hat, ob manches davon vielleicht nicht doch mehr er selbst war, statt Kampf für Jahwe: “Ich bin nicht besser als meine Väter.” ich habe nichts ausrichten können, klagt er. „Ich habe mich verzehrt im Kampf, und Dich, Jahwe, doch es war alles vergeblich. Ich möchte sterben, es hat alles keinen Sinn mehr.“

 

Das, was uns hier von Elia erzählt wird, ist etwas, das auch heute viele Menschen kennen. Es hat sogar einen modernen Namen:  Ein Mensch mit einem Burn-Out-Syndrom würden wir heute sagen. Jemand hat sich mit allen seinen Kräften und über seine Kräfte für eine gute Sache eingesetzt hat, aber das hat nicht zum Erfolg geführt. Auch wenn es zunächst so aussah, dass das eigene Engagement Früchte trägt, es kam ein schwerer Rückfall und hat alles zunichte gemacht. Auch jetzt in der Zeit des Corona-Virus gibt es Menschen, denen es vielleicht so gehen wird wie Elia. Sie haben jahrelang dafür gekämpft, als Selbständige einen kleinen Betrieb aufzubauen, ein Restaurant, ein Fitnesscenter, Eventmanagement, vielleicht auch einen Friseursalon. Jetzt ist alles gefährdet. Oder sie waren als Ärzte und Krankenpflegerinnen eh schon oft überlastet. Jetzt kommen neue Anforderungen auf sie zu. Viele, die sonst einen anstrengenden Berufsalltag haben, werden in Kurzarbeit gehen müssen. In vielen Betrieben oder Einrichtungen und Behörden, die weiterfunktionieren müssen, wird es so sein, dass Mitarbeiter erkranken und die anderen ihre Arbeit mitmachen müssen. Andere werden ihre Arbeit in kurzer Zeit komplett anders organisieren müssen, um lebenswichtige Aufgaben für andere Menschen aufrecht zu erhalten. Eltern, die schon so oft an der Doppellast von Beruf und Familie leiden, haben auf einmal die Kinder zuhause und müssen damit umgehen. Denken wir heute besonders an die Menschen, deren wirtschaftliche Existenz  durch die Corona-Krise gefährdet sein wird und an die, die werden kämpfen müssen in den Krankenhäusern oder in Betrieben, die aufrecht erhalten werden müssen.

 

Für manch andere mag diese Corona-Krise aber auch eine Atempause in einem sonst sehr anstrengenden und leicht ins Burnout führenden Arbeitsalltag sein. Für engagierte Lehrer und Lehrerinnen, Erzieher und Erzieherinnen, deren Arbeit von jetzt auf gleich ausgeknipst ist oder nur noch im Notbetrieb laufen wird. Auch bei uns in den Kirchen wird das so sein. Viele Arbeit wird für eine Zeit ruhen, es ist Zeit, mal durchzuatmen, Liegengebliebenes aufzuarbeiten, aufzuräumen, bei mir z. B. das Arbeitszimmer, und vielleicht auch innerlich aufzuräumen,  sich auf das Wesentliche zu besinnen.  Und vielleicht werden an der einen oder anderen Stelle auch neue Aufgaben erwachsen dadurch dass Zeit frei wird, solche Arbeiten zu tun.

 

Elia steht heute in dieser Situation der Coronakrise dafür, dass wir besonders für die Menschen beten, und nach Möglichkeit auch kreativ werden für sie, denen die Coronakrise zusätzliche Belastungen aufbürdet oder auch im wahrsten Sinne zusätzlichen Kampf für Kranke, seien es Corona-Erkrankte oder andere schwer Erkrankte  und gegen die Ausbreitung dieser Krankheit.

Er steht aber auch für die Menschen, deren Arbeit von jetzt auf gleich stark zurückgefahren ist, und für die dies ein Innehalten bedeutet in ihrem oft anstrengenden Arbeitsalltag. Er steht für alle Menschen, die auf einmal in Quarantäne geschickt werden, vierzehn Tage lang ganz auf ihre vier Wände und vieles nicht tun können zurückgeworfen sind. Er steht vielleicht auch für Schülerinnen und Schüler, die sonst unter der Schule stöhnen und für die die Schule auch viel Stress bedeutet, und die nun auf einmal merken, dass ihnen der Kontakt zu den Mitschülern fehlt. Gibt es Möglichkeiten, aus dieser unfreiwilligen Zeit zuhause etwas zu machen?Darum wird es gehen, aus dieser Zeit das Beste zu machen.

 

Bei Elia ist sein Kampf so weit gegangen, dass er völlig zusammengebrochen ist. Nun liegt er da unter dem Ginsterstrauch und kann nur noch eines: Schlafen, schlafen, schlafen. Schlaf ist eine der Heilkräfte der Natur. Und die anderen beiden Heilkräfte, sind ebenso elementar: Essen und Trinken. Gott schickt dem Elia einen Engel, der ihn ab und an aus dem Schlaf aufweckt, damit er isst und trinkt, und wieder zu Kräften kommt. Elia, der so lange für Gott gekämpft hat, wird nun von Gott versorgt, indem ein Engel seinen Schlaf hütet und ihm Essen und Trinken bringt. Schlafen, essen und trinken, das sind die Kraftquellen, die Gott uns schenkt, wenn wir erschöpft und am Ende sind, und er will dann auch gar nicht mehr von uns, als dass wir uns diesen Kraftquellen überlassen, dass wir mit Schlafen und Essen und Trinken und allem, was uns gut tut, dafür sorgen, dass wir wieder zu Kräften kommen, oder dass wir uns auch, - ohne schlechtes Gewissen -, umsorgen lassen. Manchmal ist es ja auch bei uns so, dass, wenn wir am Ende unserer Kräfte sind, Engel kommen, Menschen, die für uns sorgen. 

 

Für die Menschen, für die die Coronakrise eine erhöhte Kraftanstrengung bedeutet, weist die Elia-Geschichte darauf hin, in dieser Situation nach ihren Kraftquellen zu schauen, zu schauen, was stärkt mich, wenn ich müde und ausgebrannt bin? Was tut mir gut? Einfach Ruhe, schlafen, essen und trinken, so wie das Elia getan hat? Ein Spaziergang vielleicht? Musik hören, Sport treiben? Mir einen kleinen Raum freihalten für mich selbst

Sie werden Menschen brauchen, die ihnen wie der Engel werden, die sie in dieser Zeit entlasten, Hilfe anbieten, fragen: Was kann ich für Dich tun? Solche Engel sind in dieser Zeit auch alle, die im Bereich Lebensmittelherstellung und –verkauf arbeiten.

 

Die anderen, für die die Corona-Krise bedeutet, dass es eine Zeit gibt, in der sehr viel Arbeit ruhen wird, oder in der sie vielleicht auch für vierzehn Tage in Quarantäne geschickt werden, sind vielleicht wie Elia ein Stück in die Wüste geschickt. Plötzlich allein mit Gott und dem Engel. Plötzlich Zeit haben für Essen und Trinken, innerlich und äußerlich aufräumen und mehr Zeit zum Ruhen. Wenn wir darauf schauen, wie die Geschichte von Elia weitergeht, dann ist diese Zeit in der Wüste gleichzeitig Kraft schöpfen für einen langen Weg. Nach dieser Zeit, in der Elia in der Wüste Kraft schöpfen kann, wandert er vierzig Tage und vierzig Nächte zum Gottesberg, dem Horeb, wo er Gott begegnet und einen neuen Auftrag bekommt.

 

Alle, die jetzt in der ein oder anderen Weise, sei es durch Quarantäne, sei es durch den Wegfall ihrer sonstigen Arbeit ein Stück in die Wüste geschickt sind, können diese Zeit auch sehen als Stärkung für ihren weiteren Weg, als Stärkung für das, was vielleicht noch auf uns zukommen mag, als Stärkung vielleicht auch auf dem Weg zu Gott, und dazu, erneut nach dem Auftrag zu fragen, welchen sie in ihrem Leben und Beruf haben.

 

Wir wollen in diesem Gottesdienst besonders auch an die denken, die schwer erkranken werden oder deren Krankheit aufgrund der Corona-Pandemie nicht so behandelt werden kann wie sonst, deren Operation verschoben wird, obwohl sie vielleicht schon lange darauf gewartet haben. Wir wollen an die alten Menschen in den Heimen denken, die im Augenblick nicht besucht werden können. Oder auch Alleinlebende alte oder kranke Menschen zuhause, die zu ihrem Schutz weniger Sozialkontakte haben, z. B. nicht zu Veranstaltungen gehen können, die ihnen sonst Abwechslung und Gemeinschaft bieten. Mögen auch zu ihnen Engel kommen, die sie in dieser Situation begleiten. Und vielleicht können auch wir durch einen Telefonanruf, oder auch durch praktische Hilfe ihnen an der ein oder anderen Stelle ein Engel sein. Und der Friede Gottes….

 

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