Texte und Gebete für den 2. Weihnachtstag 2020


 

In Nicht-Pandemie-Zeiten hätte in unserer Kirchengemeinde am 2. Weihnachtstag ein Gottesdienst in den Seniorenheimen stattgefunden. Den Seniorenheimen wurde stattdessen ein Gottesdienstentwurf zur Verfügung gestellt, der nun intern durch MitarbeiterInnen durchgeführt werden kann, wenn die Seniorenheime dies wollen. Die Texte und Gebete eignen sich auch für Ihren Gottesdienst zuhause. Als Vorbereitung für den Gottesdienst werden 7 Haushaltskerzen oder 7 kleine Elektrokerzen für die Fürbitten am Schluss gebraucht, als Musikstücke oder Vor- und Nachspiel zu dem Gottesdienst zuhause können die Musikstücke, die hier auf der Homepage eingestellt sind, verwendet werden, eventuell für die Lieder eine CD mit Weihnachtsliedern.

 

Einstimmung:

An Weihnachten denken wir an die Geburt eines Kindes.

Jesus ist geboren.

Die Bibel erzählt, dass er in einer Krippe geboren ist, weil es sonst für ihn keinen Platz in der Herberge gab.

Von dem Kind, das geboren worden ist, glauben wir, dass in ihm Gott zu uns Menschen gekommen ist.

Keinen Platz gibt es für die Geburt des Gotteskindes außer in einer Futterkrippe mit Heu und Stroh, Trotzdem haben sich Maria und Josef über die Geburt Jesu gefreut.

Das drückt ein Vers aus dem bekannten Lied „Ihr Kinderlein kommet“ aus.

„Da liegt es, das Kindlein auf Heu und auf Stroh,

Maria und Josef betrachten es froh.“

 

Lied: Ihr Kinderlein kommet, gesprochen

Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all,

zur Krippen her kommet in Bethlehems Stall

und seht wie in dieser hochheiligen Nacht

der Vater im Himmel für Freude uns macht.

 

Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh.

Maria und Josef betrachten es froh

Die redlichen Hirten stehn betend davor,

hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.

 

Gebet

Herr, unser Gott:

Weihnachten:

Licht gegen alle Dunkelheit.

Frieden gegen alle Friedlosigkeit.

Freude gegen alle Traurigkeit.

Ein Kind gegen die Mächtigen der Welt.

Dein Heiland gegen alle Heillosigkeit.

Deine Menschwerdung

Gegen alle Unmenschlichkeit.

Lass Weihnachten wirken

In uns und dieser Welt.

Amen.

 

Lesung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 9, 1 + 6 oder Lesung der Weihnachtsgeschichte Lukas 2, 1 – 20 (Texte, s. unten)

 

Abspielen eines Weihnachtsliedes, z. B. Kommet, ihr Hirten

 

Alternativ kann die erste Stropfe des Liedes auch gesprochen werden:

Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun,

kommet, das liebliche Kindlein zu schaun.

Christus, der Herr, ist heute geboren,

den Gott zum Heiland euch hat erkoren.

Fürchtet euch nicht!

 

Predigt:

 

Eine Geschichte von einem Hirten kann uns zeigen, was Weihnachten für uns bedeutet. Diese Geschichte  heißt:

 

Nur ein Strohhalm

 

Die Hirten sind gekommen und dann wieder gegangen. Vielleicht haben sie damals Geschenke mitgebracht, aber gegangen sind sie mit leeren Händen. Ich kann mir vorstellen, dass vielleicht ein Hirte, vielleicht ein ganz junger, etwas mitgenommen hat von der Krippe. Ganz fest in der Hand hat er es gehalten. Die anderen haben erst nichts gemerkt. Bis auf einmal einer sagte: „Was hast du denn da in der Hand?“ „Einen Strohhalm“, sagte der, „Einen Strohhalm aus der Krippe, in der das Kind gelegen hat.“

„Einen Strohhalm“, lachten die anderen, „das ist doch nur Abfall. Wirf das Zeug weg.“ Aber er schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er, „den behalte ich. Für mich ist er ein Zeichen, ein Zeichen für das Kind, Jedesmal, wenn ich diesen Strohhalm in der Hand halten werde, dann werde ich mich an das Kind erinnern und daran, was die Engel von dem Kind gesagt haben.“

Und wie ist es mit den Hirten weitergegangen, damals? Am nächsten Tag, da fragten die andern Hirten ihn: „Hast du den Strohhalm immer noch? Ja? Mensch, wirf ihn weg, wertloses Zeug ist das doch.“ Er antwortete: „Nein, das ist nicht wertlos. Das Kind Gottes hat darauf gelegen.“  „Na und?“, lachten die andern, „das Kind ist wertvoll, doch nicht das Stroh.“ „Ihr habt unrecht“, sagte der Hirte, „das Stroh ist schon wertvoll. Worauf hätte das Kind denn sonst liegen sollen, arm wie es ist? Nein, mir zeigt das, Gott braucht das Kleine, das Wertlose. Ja, Gott braucht uns, die Kleinen, die gar nicht viel können, nicht viel wert sind!“

Ja, der Strohhalm aus der Krippe, der war dem Hirten wichtig. Wieder und wieder nahm er ihn in die Hand, dachte an die Worte der Engel, freute sich darüber, dass Gott die Menschen so lieb hat, dass er klein wurde wie sie.

Eines Tages aber nahm einer der andren Hirten den Strohhalm weg und schrie wütend: „ Du mit deinem Stroh! Du machst mich ganz verrückt damit!“ und er zerknickte den Halm wieder und wieder und warf ihn zur Erde.

Der Hirte stand ganz ruhig, hob den Strohhalm auf, strich ihn wieder glatt und sagte den andern: „Sieh doch -  er ist geblieben, was er war: ein Strohhalm. Deine ganze Wut hat daran nichts ändern können. Sicher ist es leicht, einen Strohhalm zu knicken. Und du denkst: „Was ist schon ein Kind, wo wir einen starken Helfer brauchen. Aber ich sage dir: aus diesem Kind wird ein Mann, und der wird nicht totzukiregen sein. Er wird die Wut der Menschen aushalten, ertragen und bleiben, was er ist: Gottes Retter für uns. Nein, Gottes Liebe ist nicht kleinzukriegen“

 

Ich finde, dies ist eine sehr schöne, tröstliche Geschichte.

Manchmal fühlen wir uns ja nutzlos und wertlos, wie Stroh, das nichts wert ist. Besonders den Menschen mag das in dieser Zeit so gehen, die wegen der Pandemie nicht arbeiten können und zuhause bleiben müssen.

Die Geschichte sagt uns: Gott braucht gerade das Kleine, wertlos Scheinende, um darauf geboren zu werden. Das Stroh ist wichtig in der Geschichte, weil es

das Einzige ist, was dem Jesuskind eine weiche Unterlage und etwas Wärme geben kann. So sind auch wir wichtig, und Gott will gerade bei uns geboren werden.

Mich erinnert diese Geschichte aber auch noch an etwas anderes. Im alten Testament heißt es von einem unbekannten Gottesknecht: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen.“ Die Christen haben diesen Satz auf Jesus gedeutet. Er hat Menschen, die innerlich geknickt waren, nicht noch mehr gebrochen, sondern er hat sie ermutigt, aufgerichtet.

Manchmal fühlen wir uns ja auch wie ein geknickter Strohhalm. Etwas Schlimmes, was uns widerfahren ist, hat uns geknickt. Auch die Corona-Pandemie wird viele Menschen knicken. Durch eigene Erkrankung oder die eines Angehörigen, bis hin zum Tod. Durch den Verlust der Arbeit oder dadurch, dass man als Selbstständiger insolvent wird. Durch Einsamkeit und Depressionen aufgrund der belastenden Situation.  Zum Beispiel darf in den Heimen Besuch nicht kommen, auf den Sie sich gefreut hatten. Der Strohhalm sagt uns:

Gott will nicht, das wir an dem, was uns knickt, zerbrechen. Er will uns aufrichten. Er ist bei uns und bei den Menschen, die uns wichtig sind. Er will uns die nötige Kraft geben, damit wir nicht zerbrechen.

Schließlich kommt in dieser Geschichte vor, wie wir Menschen dem Kommen Gottes in unsere Welt oft begegnen. Das passt nicht in unser Bild, dass Gott zu uns kommt. Es passt nicht in unser Bild, dass er gerade zu denen kommt, die wir als wertlos ansehen, wie solch einen Strohhalm. Dem Kommen Gottes in unsere Welt begegnen wir Menschen oft mit Verachtung und Aggression, so wie die Hirten versucht haben, den Strohhalm zu zerstören.

Die Geschichte sagt uns: Gott hält uns auch aus, wenn wir wütend sind. Seine Liebe zu uns ist unzerstörbar. In dem Kind in der Krippe bleibt er der Retter für uns Menschen und bietet uns seine Liebe an.

So gilt seine Liebe uns nicht nur dann, wenn wir ihrer würdig sind, wenn wir fromm und gottesfürchtig leben. Sie gilt uns auch dann, wenn wir mit Gott hadern, wenn wir wütend auf Gott sind, wenn wir den Glauben und die Liebe Gottes  verächtlich machen oder uns nicht viel um Gott und den Glauben kümmern. Gottes Liebe ist nicht totzukriegen, heißt es in der Geschichte. Sie will leben, leben in uns. Amen.

 

Eventuell CD-Musik mit einem Weihnachtslied abspielen z. B. „Stille Nacht“ sonst kann eine Strophe des Liedes auch gesprochen werden:

 

Stille Nacht, heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht, nur das traute, hochheilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh, schlaf in himmlischer Ruh.

 

Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht durch der Engel „Halleluja!“, tönt es laut von fern und nah: „Christ, der Retter ist da. Christ, der Retter ist da“.

 

Fürbittengebet:

Lasst uns beten. Zwischen den einzelnen Fürbitten bitten wir einzustimmen in den Gebetsruf: Wir bitten dich, erhöre uns. Nach jeder Fürbitte wird eine Kerze angezündet.

 

Gott, unser Vater,

im Kind der Krippe hast du das Licht deiner Liebe zu uns gesandt.

Das Licht deiner Liebe möchte unsere Tage erleuchten.

Lass es uns entdecken, auch dann, wenn nach diesen Festtagen

der Alltag wieder einkehrt.

Ich zünde eine Kerze an für die,

die nach den Festtagen wieder im Alltag landen werden.

Schenke uns Augen für deine Wunder im Alltag.

 

Wir bitten dich, erhöre uns

 

Ich zünde eine Kerze an für die, die nur Finsternis sehen,

dass sie ein Licht am Ende des Tunnels bemerken.

 

Wir bitten dich, erhöre uns

 

Ich zünde eine Kerze an für die, die krank sind,

dass jemand ein Engel für sie wird.

Wir bitten dich: Dein Licht leuchte uns.

Ich zünde eine Kerze an für die, die Unrecht leiden,

dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt.

 

Wir bitten dich, erhöre uns

 

Ich zünde eine Kerze an für die, die sich nach Frieden sehnen,

dass sie dafür eintreten und nicht enttäuscht werden.

Wir bitten dich: Dein Licht leuchte uns.

Ich zünde eine Kerze an für die, die einen Blick haben für dein Licht, Gott,

lass es uns in die Welt tragen.

 

Wir bitten dich, erhöre uns

 

Gott,

du hast die Sehnsucht nach deinem Licht in unser Herz gelegt.

Das siebente Licht leuchtet noch nicht.

Gott, wir warten noch, dass deine Herrlichkeit endgültig über uns aufgeht

Und wir sie sehen

Und unsere Gesichter strahlen. Amen

Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns

Unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

In Ewigkeit. Amen

Lied: O du fröhliche (von CD abgespielt oder gesprochen)

 

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit.

Welt ging verloren, Christ ist geboren.

Freue, freue dich, o Christenheit.

 

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit.

Christ ist erschienen, uns zu versühnen:

Freue, freue dich, o Christenheit.

 

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit.

Himmlische Heere jauchzen dir Ehre

Freue, freue dich, o Christenheit.

 

 

 

Lesung aus Jesaja 9, 1 + 5:

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Und er heißt: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst, auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids uns in seinem Königreich, dass er es stärke durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

 

Lesung aus Lukas 2, Vers 1 – 20: (Lutherübersetzung)

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und jeder ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa aus der Stadt Nazareth in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seiner Verlobten, die war schwanger.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Schafe. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren soll; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun nach Bethlehem gehen und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

 

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