Gebete und Texte zum 2. Sonntag nach dem Christfest; 03. Januar 2021


 

 

Psalm 100, 1-5

 

Jauchzet dem HERRN, alle Welt!

2Dienet dem HERRN mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

3Erkennet, dass der HERR Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst

zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

4Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, /

zu seinen Vorhöfen mit Loben;

danket ihm, lobet seinen Namen!

5Denn der HERR ist freundlich, /

und seine Gnade währet ewig

und seine Wahrheit für und für.

 

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

 

 

Gebet

 

Ewiger Gott,

du schenkst uns die Zeit.

Gib, dass wir von diesem neuen Jahr

deine Gegenwart erkennen

und durch alles was geschieht hindurch ,

deine Liebe suchen und erkennen,

durch unseren Herrn, Jesus Christus,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert on Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

 

Evangelium Lukas 2, 41-52 (ist auch Predigttext)

 

41 Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. 42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. 43 Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten's nicht. 44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. 46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. 47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. 48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? 50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

 

Der zwölfjährige Jesus im Tempel  - Albrecht Dürer (1471-1528)
Der zwölfjährige Jesus im Tempel - Albrecht Dürer (1471-1528)

 

 

Lukas 2, 46 und 47

Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.

  

Glaube ist gelebte Tradition.

 

Zur Glaubenstradition gehören Feste, Feiern und Rituale.

Was wäre unser Kirchenjahr ohne Weihnachten, Ostern, Pfingsten, die Adventszeit. Alle haben ihre Geschichten, Bräuche und Symbole, Farben und Jahreszeiten.

 

Sie alle zusammen thematisieren Erfahrungen: Erwartung, Freude, Erfüllung, Enttäuschung, Versagen, Angst, Schuld, Sterben.

Sie alle deuten Erfahrungen: Freude und Erfüllung sind Geschenk. Erwartung und Enttäuschung weisen darauf hin, dass wir vor Gott nicht Geber sondern Empfangende sind. Versagen, Angst und Schuld sind Herausforderungen für die Liebe, auch für die Liebe Gottes. Das Ende des Lebens verweist uns auf Gottesfurcht und Gottvertrauen.

 

Glaube ist gelebte Tradition.

 

Auch für die Eltern Jesu.

Sie pilgerten wohl jedes Jahr zum Passafest, von Nazareth nach Jerusalem, eine Strecke von etwa 140 Kilometern.

Dies Wallfahrtfest wird von den Juden noch heute zwischen Mitte März und April als Familienfest gefeiert.

In Verbindung mit dem Fest der ungesäuerten Brote, dem Mazzenfest, dauerte es sieben Tage. Höhepunkte waren die Schlachtung der Lämmer, die nur im Tempel vorgenommen werden durfte, und die Passamahlzeit in einem Hause mit dem Lamm, Kräutern, Wein und süßem Brot und manchen anderem, alle mit symbolischer Bedeutung. Sie erinnern an den Auszug des Volkes Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft.

„Und so sollt ihr es essen: die Hüften gegürtet, die Schuhe an den Füßen und den Stab in der Hand; und ihr sollt es in Eile essen, ein Passa ist es für den Herrn.“ (2. Mose 12,11) Leben ist Aufbruch unter dem Versprechen Gottes, mitzugehen und beizustehen.

 

Lebendiger Glaube ist Verstehen der Tradition.

 

Es gibt kein Leben ohne Vergangenheit. Meine Geschichte, die Geschichte eines jeden, ist eingebettet in die Geschichte einer Familie. Und die Geschichte meiner Familie ist Teil der Geschichte des Volkes, dem ich angehöre.

 

Niemand kann sich seine Herkunft auswählen.

Aber indem ich zugehörig bin, habe ich die Möglichkeit, mich einzuleben und geborgen zu sein. Im Verstehen schöpfe ich Kraft, im Fragen erlange ich neue Antworten und Freiheit. Das ist auch mit dem Glauben so. Nur im Gespräch mit der Geschichte kann ich mich selbst erfahren, verstehen, das Leben wichten und deuten.

 

Auch Jesus war Zeit seines Lebens im Gespräch mit den „Vätern“, also denen, die die Tradition lehrten und weitergaben.

Für ihn war „Weisheit“ Bildung, Übung des selbständigen Denkens, des klugen Abwägens und Entscheidens und der Verantwortung.

Bildung war dabei nicht allein Gelehrsamkeit über Schriften der Bibel, der Thora, sondern auch das Klug- und Kundigsein im praktischen Leben.

 

Nach biblischer Überzeugung ist Gottesfurcht der Anfang der Weisheit. Es geht also um gottesfürchtiges Verstehen durch Hören und Fragen. So manche Zuspitzung Jesu später in seinen Predigten und in seinen Antworten auf Fragen seiner Zeitgenossen kommt aus seiner Gottesfurcht.

 

In dem Bild von Albrecht Dürer ist Jesus selbst zur Tradition, zu einer überlieferten Verkündigung, geworden. Was die Lehrer und Gelehrten in ihrem Staunen über Jesus nur unbestimmt ahnen und als Unbegreiflichkeit spüren ist dem Maler längst überbrachte Glaubensgewissheit: Dieser noch kindliche zwölfjährige Jesus ist der Christus. Gott selbst ist es der spricht und deutet.

 

Was er sagt, gibt den Lehrern und Gelehrten zu denken, sodass sie hören und sich untereinander beraten müssen.

 

Und über alle Zeiten hinweg tun die Betrachter des Bildes, denen Gottesfurcht der Anfang der Weisheit ist, es ihnen gleich.

 

 Fürbitten

 

Gütiger Gott,

am Anfang des neuen Jahres

bringen wir unsere Bitten vor dich:

Schenke uns den Geist der Liebe.

Erhalte uns in deinem Wort.

Behüte uns auf unseren Wegen.

Öffne unsere Augen für die Not unserer Nächsten.

Gib uns Mut Armen und Benachteiligten zu helfen.

Lass Frieden einkehren in Familien und Häusern,

zwischen allen Menschen und Religionen.

Begleite uns durch das neue Jahr mit deiner Gnade und Güte.

Schenke uns die Gewißheit deiner Gegenwart,

dass wir dich loben und preisen

durch unsern Herrn Jesus Christus.

 

 

Amen

 

 

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Texte und Gebete 2. Sonntag nach Weihnac
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