Gebete und Texte zum 1. Sonntag nach dem Epiphanias-Fest, 10.01.2021


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Gedanken und Texte zum 10. Januar 2021.p
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Einstimmung:

Weihnachten liegt hinter uns, der Jahresübergang 2020/2021 liegt hinter uns. Alles ganz anders als sonst, geprägt von Corona. Vor uns liegt nun wieder der Alltag, liegen die verschärften Corona-Regeln mit all dem, was sie für unseren Alltag bedeuten, liegt die Hoffnung, dass der Impfstoff unser Leben im Laufe des Jahres wieder normalisieren wird.

Im Glauben begleitet uns in unserem Alltag Gottes Güte und Treue,

und will als unser König Jesus Christus unser Tun und Lassen regieren,

so dass es Ausdruck seines Königtums des Friedens, der Güte und Gerechtigkeit ist.

 

Aus Psalm 89 (Gute Nachricht)

Herr, für immer will ich singen von den Beweisen deiner Güte

Mein Lied soll deine Treue verkünden für alle kommenden Generationen.

 

„Deine Güte hört niemals auf“, sage ich,

„deine Treue steht fest wie der Himmel.“

 

Wie glücklich ist das Volk, das dich mit Jubelrufen begrüßt!

Es lebt in deiner segensreichen Nähe.

 

Es freut sich täglich, weil du sein Gott bist.

Durch deine Treue machst du es groß.

 

Du gibst ihm deine wunderbare Kraft.

Weil du uns liebst, sind wir stark.

 

Einst hast du zu deinem Volk gesprochen,

in einer Vision hast du gesagt:

 

„Einen Helden habe ich zum Helfer gemacht,

 ihn aus dem Volk auserwählt und erhöht.

 

Mit meiner Hand werde ich ihn halten,

durch meine Macht will ich ihn stärken.

 

Er wird zu mir sagen:

„Du bist mein Vater, mein Gott, mein starker Beschützer.“

 

Ich mache ihn zu meinem Erstgeborenen,

zum Höchsten unter den Königen der Erde.

 

Jederzeit umgibt ihn meine Güte,

mein Bund ist unverbrüchlich.

 

Ich bestätige sein Königtum für immer,

sein Thron bleibt fest, solange der Himmel besteht.

 

Lied (gesprochen oder gesungen), EG 452, 1 + 5

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmerung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Er will mich früh umhüllen

mit seinem Wort und Licht,

verheißen und erfüllen,

damit mir nichts gebricht.

Will vollen Lohn mir zahlen,

fragt nicht, ob ich versag.

Sein Wort will helle strahlen

Wie dunkel auch der Tag.

 

Gebet:

Sie sind vorbei, guter Gott, die Feste,

Weihnachten, Sylvester, Neujahr,

die besondere Zeit ist zu Ende.

Alltag – überall.

Alltag überdies geprägt von Corona

Wo bist du – in unserem Alltag?

Wir vergessen dich oft,

vieles beschäftigt uns,

bedrängt uns,

lärmt in uns,

will gehört und gesehen werden.

Wir bitten dich:

Komm zu uns – sei mitten unter uns

In der Stille,

im Beten,

Hören und Reden.

Setze deine Zeichen, Gott,

damit wir dich nicht übersehen und überhören,

und damit wir immer mal wieder in unserem Alltag

dein Licht und deine stärkende Kraft erfahren. Amen.

 

Lesung: Matthäus 17, 1 – 9 (Gute Nachricht)

Sechs Tage später nahm Jesus die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder von Jakobus, mit sich und führte sie auf einen hohen Berg. Sonst war niemand bei ihnen.

Vor den Augen der Jünger ging mit Jesus eine Verwandlung vor sich: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden strahlend weiß.

Und dann sahen sie auf einmal Mose und Elija bei Jesus stehen und mit ihm reden.

Da sagte Petrus zu Jesus: „Wie gut, dass wir hier sind, Herr! Wenn du willst, schlage ich hier drei Zelte auf, eins für dich, eins für Mose und eins für Elia.“

Während er noch redete, erschien eine leuchtende Wolke über ihnen, und eine Stimme aus der Wolke sagte: „Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt. Auf ihn sollt ihr hören!“

Als die Jünger diese Worte hörten, warfen sie sich voller Angst nieder, das Gesicht zur Erde.

Aber Jesus trat zu ihnen, berührte sie und sagte: „Steht auf, habt keine Angst!“

Als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus allein.

Während sie den Berg hinunterstiegen, befahl er ihnen: „Sprecht zu niemand über das, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn vom Tod auferweckt wird.“

 

Gedanken zu Matthus 17, 1 - 9

 

Unser Glaube hat zwei Pole.

Der eine Pol ist der Himmel. Der Himmel, das sind Momente, in denen ich Gott erfahre. Z. B. an Weihnachten, wenn ich für Momente den Glanz Gottes in dem Kind in der Krippe spüre. Schöne, gelungene Feste des Glaubens. Momente, in denen ich zum Beispiel in einem Seelsorgegespräch spüre: Gott ist nahe. Er wirkt zwischen mir und dem anderen, indem er als eine Kraft mitten in unserem Gespräch da ist, und mich das Richtige sagen oder tun lässt und es entsteht eine große Dichte und Nähe. Der Himmel, das sind die Zeiten, in denen ich intensiv bete, und das Beten gibt mir Kraft. Der Himmel ist, wenn ich mit mir und Gott allein bin, oder in einer kleinen Gruppe, bei der im Gespräch über den Glauben auf einmal so etwas wie Gottes Geist spürbar wird.

Der Himmel, das sind gewissermaßen die Highlights des Glaubens, ich erfahre mein Leben, eine Situation mit anderen Menschen, oder auch einen Moment in der Natur oder beim Hören von Musik wie in Gottes Licht getaucht.

Der andere Pol unseres Glaubens ist die Erde. Das ist die Wirklichkeit, mit der ich tagtäglich konfrontiert bin. Z. b. die Anforderungen, die im Beruf oder in der Familie an mich gestellt sind. Oder die tagtägliche Auseinandersetzung mit Situationen, die manchmal nicht leicht zu bewältigen sind, wo ich überlegen muss, wie gehe ich damit um. Das ist das Leiden, mein eigenes Leiden oder das Leiden von Menschen, denen ich begegne, die mir von ihrem Leid und schweren Schicksal erzähle. Die Erde, das sind all die Konflikte, die es in der Familie, am Arbeitsplatz, in unserer Kirchengemeinde, fast überall dort, wo ich mit anderen Menschen zusammen bin, gibt. Die Erde ist manche Mühsal, ist manchmal Müdigkeit gegenüber ewiggleichen Problemen.

Die Erde ist das, was mir oft  Unlust macht, was mich Überwindung kostet, es anzugehen, und was auf der anderen Seite auch hilft, nicht abzuheben, nüchtern zu bleiben, geerdet zu bleiben, solidarisch zu bleiben mit dem Leiden und den Problemen anderer Menschen.

Himmel und Erde, das sind die beiden Pole unseres Glaubens. Ohne die Erde ließen uns die Erfahrungen des Himmels abheben, würden wir als Christen wirklichkeitsfremd und fern den Menschen und ihren Problemen. Ohne die Erfahrungen des Himmels würde die Erde hoffnungslos, würde unser Glaube zu eine kalte, nüchterne Lebenhaltung, die ganz ohne Visionen, ganz ohne Hoffnung in sich erstarrt.

 

Matthäus 17, 1 – 9 verbindet gewissermaßen die beiden Pole Himmel und Erde

Er beginnt mit einer Erfahrung des Himmels, einer himmlischen Erleuchtung, mit einem einzigartigen „High-light“ im Glauben. Hoch oben auf dem Berg machen die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes eine Lichterfahrung der besonderen Art. Da wird vor ihren Augen sichtbar, was sie schon lange glauben und hoffen; Jesus, ihr Herr und Meister, erleuchtet wie die Sonne, im Gespräch mit den großen vergangenen Profeten Moses und Elia. Jesus, Gottes Sohn, Herr über Zeit und Raum, steht in Verbindung mit den Führern und Hoffnungsträgern des Volkes Israel, mit Mose, dem sich Gott im Dornstrauch offenbart hat, mit Elia, der Gott in einem sanften, leisen Säuseln erfahren hat. Mose, Elia, und Jesus, von Gottes Glanz umstrahlt, das ist verdichtete Gotteserfahrung: In einem Moment ist da Gottes ganze heilvolles Wirken in seinem Volk zusammengeschaut. Das ist wie wenn Weihnachten, Ostern und Pfingsten  an einem einzigen Tag sind, und dazu vielleicht noch eine Hochzeit, eine Geburt, und die Freude, dass jemand, der schwer krank war, auf wundersame Weise geheilt ist. Das ist, wie wenn auf ein Mal alle Zweifel, alle Dunkelheit, alles Verworrene wie weggeblasen sind, und auf einmal ist da nur noch Gottes lichtvolle Gegenwart, aufstrahlend in diesen drei Menschen, Mose, Elia, Jesus, in denen Gott in ganz besonderer Weise gewirkt hat und sich offenbart, in denen die ganze Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk umrissen ist.

 

Von solchen Momenten, in denen auf einmal alles klar, alles lichtvoll, alles hell und strahlend ist, wünschen wir uns, sie würden niemals zu Ende gehen. Und so ist auch sehr verständlich, was Petrus als erstes sagt, als er wieder Worte findet: „Willst du, Jesus, so wollen wir hier drei Hütten bauen, die eine, Mose eine und Elia eine.“ Er möchte am liebsten die Zeit anhalten. Er möchte dieses Erlebnis festhalten, möchte, dass es ewig ist. Lass uns hier wohnen, Jesus. Lass uns jeden Tag diese vollkommene Gemeinschaft pflegen, die in dem vertrauten Gespräch zwischen dir, Mose und Elia zum Ausdruck kommt. Nichts soll uns mehr stören. Das ist der Himmel auf Erden....

Ich kann diese Sehnsucht der Jünger gut verstehen. Es ist eine Sehnsucht, dass es doch immer Sommer wäre, das Leben leicht und lichtvoll, und die Menschen in guter Gemeinschaft miteinander, einer Gemeinschaft, die geprägt ist von der Gegenwart Gottes, die alles heil, hell und klar macht. Es ist die Sehnsucht, jetzt schon auf der Erde im Himmel zu sein, den Himmel Gottes auf Erden nicht nur für Augenblicke, sondern dauerhaft zu erleben.

 

Doch dann kommt sogleich die Ernüchterung. Sie werden aufgeschreckt durch ein weiteres Phänomen. Aus einer lichten Wolke, die Schatten auf sie wirft, hören sie die Stimme Gottes: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ Und dann ist nur noch Jesus da, die beiden anderen Gestalten sind verschwunden. Nur noch Jesus ist da, und hören sollt ihr auf ihn. Das ist das, was von dieser lichtvollen Erscheinung bleibt: das Hören auf die Worte Jesu. Das ist das Normale, die außerordentliche Vision, das Highlight im Glauben ist die Ausnahme. Gott selbst weist auf die Realitäten hin, die bis heute für uns als Christen gelten: Das Wort Gottes ist das, was auch in unserem Alltag bei uns bleibt, dann, wenn nicht Weihnachten oder ein anderes Highlight des Glaubens ist. Es bleibt bei uns zum Hören, zum Lesen, zum Bedenken. Und Christus bleibt bei uns, um ihn anzurufen, um ihm von unserem Leben zu erzählen, ihm, der so viel vom Leben kennt. Glauben ist im Grunde nichts anderes als ein lebenslanges Hören auf das Wort Gottes, das er in Christus zu uns gesprochen hat, und in Mose und den Propheten.

 

Jesus beruhigt die erschrockenen Jünger und steigt mit ihnen wieder vom Berg herunter. Unten gebietet er ihnen noch, nicht über diese Erscheinung zu anderen zu sprechen. Dieses Erlebnis auf dem Berg ist wie eine Stärkung für die Jünger für alles, was nun vor ihnen liegt und kommt, denn nach der Erzählung von der Verklärung Jesu beginnt die Leidensgeschichte Jesu und der Jünger. Die Verklärung ist wie eine Gewissmachung für sie, wer Jesus ist, und dass in ihm Gott ist, auch wenn die Wirklichkeit, die nun kommt, ganz anders aussieht, nämlich so, als ob in Jesu Weg ans Kreuz kein Gott mehr ist. Erst in der Auferstehung Jesu wird offenbar werden, was die Jünger in der Verklärung Jesu schon für einen Moment gesehen haben: Dass in ihm Gott ist, und dass die Wirklichkeit des Himmels stärker ist als die Wirklichkeit von Leid und Tod.

 

Bezogen auf unseren Glauben kann das heißen: Auch für uns gibt es solche Bergerlebnisse des Glaubens. Vielleicht nicht ganz so überwältigend, wie das, was die Jünger erlebt haben, aber Momente, in denen wir Gottes ganz gewiss sind, die lichtvoll und klar sind von der Gegenwart Gottes. Doch Glaube ist nicht, dass unser ganzes Leben so ist. Es ist nicht das ganze Leben lang Weihnachten oder Ostern oder Pfingsten. Es ist nicht immer so, dass unser Leben durch den Glauben immer ganz hell und klar und gewiss ist. Gott gibt uns solche Highlights des Glaubens, solche Höhepunkte des Glaubens, die uns im Glauben stärken sollen für unseren Alltag, für unser Leben, das immer wieder auch  Leiden und Schweres bedeutet. In diesen Niederungen des Alltags, im Leiden oder im Schweren, können uns diese Highlights stärken, können uns daran erinnern, dass Gott da ist, auch wenn es oft nicht so aussieht. Und sie können uns die Hoffnung geben, dass er am Ende auch wieder da sein wird, sichtbar und spürbar, so wie am Ende des Leidensweges Jesu und der Jünger die Auferstehung steht. Wenn wir Weihnachten feiern, und dann so schnell die Passionsgeschichte kommt, und am Ende dann Ostern als die Feier der Auferstehung steht, dann zeichnen diese Zeiten nach, was unser Glaube ist: Ein Leben zwischen diesen Polen von Himmel und Erde, von guten, stärkenden Erfahrungen des Glaubens, und Zeiten des Glaubens, die auch von Schwerem und von Leid geprägt sind, und in denen Gott dennoch bei uns ist. Dieser Weg von der Verklärungsgeschichte in die Passion Jesu hin zur Auferstehung sagt uns auch: Der Weg zur Auferstehung, zu einer neuen, gewissen Erfahrung Gottes, führt manchmal durch Leid und Schweres hindurch. Amen.

 

Lied: EG 209 (gesungen oder gesprochen)

Ich möcht`, dass einer mit mir geht,

der´s Leben kennt, der mich versteht,

der mich zu allen Zeiten

kann geleiten.

Ich möcht´, dass einer mit mir geht.

 

Ich wart´, dass einer mit mir geht,

der auch im Schweren zu mir steht,

der in den dunklen Stunden

mir verbunden.

Ich wart´, dass einer mit mir geht.

 

Es heißt, dass einer mit mir geht,

der´s Leben kennt, der mich versteht,

der mich zu allen Zeiten

kann geleiten.

Es heißt, dass einer mit mir geht.

 

Sie nennen ihn den Herren Christ,

der durch den Tod gegangen ist,

er kann durch Leid und Freuden

mich geleiten.

Ich möcht´, dass er auch mit mir geht.

 

Fürbittengebet:

Gott, unser Vater,

wir suchen dich in der Ferne,

doch du bist uns ganz nahe gekommen.

So gibst du den Schwachen Kraft,

so tröstest du die Traurigen,

und ermutigst die Verzagten.

So schaffst du Verständigung und Vertrauen.

Wir danken dir und bitten für alle Menschen,

die sich auseinander gelebt haben.

Schenke ihnen und uns mehr Vertrauen zueinander

Und lass uns unsere Verschiedenheit ertragen:

In unseren Familien, zwischen Eltern und Kindern,

zwischen den Generationen.

Wir bitten für die Menschen,

die jetzt in Angst unter uns leben,

die verzweifelt und verbittert sind

über die Gewalt, die ihnen angetan wird.

Verwandle die Gedanken der Rache

In neue Visionen der Verständigung.

Verwehre du alle Gewöhnung an Hass und Krieg.

Wir bitten für unsere so verschiedenen Kirchen und Religionen:

Gib, dass wir uns mit den Mauern, die uns trennen,

nicht abfinden.

Lass uns die Vielfalt des Glaubens

Als Geschenk und Reichtum nutzen.

Gott, unser Vater,

du willst uns zu freien Menschen machen.

Befreie uns von der Sorge nur um uns selbst,

um unser Wohlergehen.

Vermehre unseren Glauben,

dass du deine Hand über uns hältst.

Hilf, dass wir uns selbst nicht so krampfhaft wichtig nehmen,

weil wir darum wissen, dass wir bei Dir geliebt und wichtig sind.

Stärke uns, an unserem Ort, in unserem Alltag, mit unserer kleinen Kraft  nach deinem Wort zu leben,

im Vertrauen auf dein Wort und handelnd nach deinem Wort. Amen.

 

Vater unser

 

Segensbitte:

Gott segne uns und mache die Wege hell, die du uns führst.

Gott, lass uns deine Nähe spüren, wenn etwas uns ängstigt.

Gott öffne unsere Augen und unser Herz für die Freude,

und für die Menschen, die Du uns schenkst.

Gott, gib uns Kraft und Hoffnung in Zeiten des Leides,

eine Hoffnung, dass alle unsere Wege

am Ende in Dir ein gutes Ziel haben.

 

Amen.

   

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